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Wie einen einzigen Fluss...

Autor: WiebkeSchumache | Datum: 14 November 2014, 11:58 | 3 Kommentare

...Könnte man den Verkehr in Malang beschreiben. Na klar, es gibt manchmal Abbiegungen, Stolpersteine, Regenzeiten und Trockenzeiten. Dennoch fließt er.

Die letzten drei Wochen wurde ich bei zwei unterschiedlichen, sehr netten, Englisch sprechenden Lehrerinnen in "Bahasa Indonesia" (die indonesische Sprache) unterrichtet. Der Unterricht fand in den jeweiligen Häusern meiner Lehrerinnen statt, wo ich natürlich erstmal hinkommen muss.

Hier in Malang gibt es aber keinen Bus, so wie wir ihn kennen und es gibt auch keine Straßenbahn. Das heißt, man kann selber Auto oder Motorrad fahren, was ich hier jedoch aus versicherungstechnischen Gründen nicht machen kann. Oder weitere Möglichkeiten wären das Taxi (was für den alltäglichen Gebrauch zu teuer ist), die Rikschas (oftmals bunt bemalte Fahrräder mit zwei Sitzen vorne und dem strampelnden Fahrer hinten) und die Angkots, die ich von Montags bis Freitags ca. zwei Stunden nutze. Angkots sind kleine, blaue Busse mit unterschiedlichen Bezeichnungen, wie z.B. "GA", "MM", "LDG", "ADL",... Und ich kann euch sagen. Jede Fahrt ist ein kleines Abenteuer.

Wenn ich mich morgens um halb neun vor das Gelände von Balewiyata (Gelände, wo ich im Moment noch wohne) an die Straße stelle, warte ich auf das "GA". Der Luxus hier ist, dass ich nur ca. drei Minuten warte bis der nächste blaue Bus um die Ecke schießt. Obwohl... das klingt jetzt so als würden die Angkots sehr schnell fahren, was hier in der malang´schen Innenstadt jedoch nicht möglich ist. Ich würde sagen die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei ca. 25 km/h ;) Langsam aber stetig fließend ist der Verkehrsfluss. Ein weiterer Luxus ist: Es gibt keine Bushaltestellen. Das heißt, man muss nicht bis zur nächsten Haltestelle rasen, um den nächsten Bus noch zu bekommen, sondern kann schön gemütlich langsam (wie alle Indonesier) zur Straße spazieren und locker seinen Arm ausstrecken, falls dann das richtige Angkot vorbeikommt.

Wenn ich dann also ein Angkot ankommen sehe, hat es meistens schon zwei bis drei mal gehupt und die Lichthupe betätigt (Zeichen dafür, dass noch Personen reinpassen) und ich strecke einmal meinen Arm aus oder schüttle den Kopf (Zeichen dafür, dass ich mitfahren will oder eben nicht). Wenn es ein "GA" ist, dann steige ich mit geducktem Kopf ein, da die Tür sehr klein ist und man im Angkot selber eh nur sitzen kann. Wenn wenig im Angkot los ist, dann ist es nicht schwer sich irgendwo, wo man gerade lustig ist, einen Platz zu suchen. Doch es kommt nicht selten vor, dass die Busse "bis zum Rand gefüllt sind". Manchmal habe ich dann das Gefühl, der Fahrer hat eine Wette mit einem anderen Fahrer am laufen, wer mehr Leute in ein Angkot bekommt. Also meine gezählte Rekordzahl lag bisher bei 15 Personen, wo man sich aber wirklich keinen Zentimeter mehr nach rechts, links, oben oder unten bewegen kann. Man kann höchstens noch seinen Kopf Richtung Fahrer bewegen, wenn man glaubt dort angekommen zu sein, wo man aussteigen wollte. Im Angkot selber gibt es viel zu sehen. Das heißt also die Angkots sehen natürlich jeden Tag gleich aus, aber die ein- und aussteigenden Menschen und und der restliche Verkehr sind das Spannende. Man sieht hier unterschiedlichst angezogene Leute (leicht bekleidet bis total verschleiert), junge und alte Menschen, arme und reiche Menschen und Menschen mit unterschiedlichen Religionen, Haar- und Hautfarben. Manchmal sprechen mich Menschen an und ich versuche, mit meinen bisher noch dürftigen Indonesich-Kenntnissen, möglichst korrekt zu antworten. Die häufigsten Fragen sind: "Mau ke mana?" (Wo willst du hin?) und "Di mana?" (Wo kommst du her?). Ich finde es aber echt schön, dass so viele Leute interessiert nachfragen, was ich hier mache und wie ich hier zurechtkomme. Ich kann wirklich sagen, so eine Gastfreundschaft habe ich selten erlebt. Auch hier in Balewiyata fragen viele sehr oft:"Sudah makan?" (Hast du schon etwas gegessen?), worauf ich meistens mit ja antworte, da ich hier (auch wie in einem Fluss) sehr viel zu Essen bekomme :) 

Zurück zum Angkotfahren... Manchmal werde ich aber auch einfach nur angestarrt oder es wird über mich geredet (was ich an einigen Mimiken und Gestiken ausmachen kann) oder ich träume im schunkelden Bus vor mich hin und bekomme wenig mit.

Spätestens wenn ich aussteigen muss, sollte ich dann aber aus meinem Traum erwachen oder die Gespräche beenden und die 3000 Rupiah (ca. 15 Cent) bereithalten, die man für eine Fahrt bezahlen muss. Also wirklich nicht viel im Gegensatz zu Deutschland, obwohl man dies eigentlich gar nicht vergleichen kann, da hier ja ganz andere Verhältnisse herrschen. Wenn man also nun an einer beliebigen Stelle der Straße aussteigen möchte, ruft man von hinten dem Fahrer:"Kiri Pa" (Links, Herr!)zu. Da hier Linksverkehr herrscht, hält der Fahrer dann schnellstmöglich links an, man versucht sich bis zur Tür vorzuringen, steigt aus und gibt dem Fahrer die 3000 Rp. möglichst passend durch das Fenster. Es könnte nämlich sein, dass die Fahrer nicht wechseln können, wenn der Geldschein einen zu hohen Wert besitzt.

Nun steht man am Straßenrand und das Angkot fährt schnell weiter, damit der Verkehr auch ja nicht stockt, denn ein Fluss stockt auch nicht...

Und so schnell wie ich ausgestiegen bin, muss ich auch schnell zusehen, von der Straße zu kommen. So richtig von der Straße kommen kann man hier zwar nicht, da es kaum Bürgersteige gibt, aber es gibt immer noch einen Spalt zwischen stark befahrener Straße und den Läden am Straßenrand. Die Wörter : Laden am Straßenrand... passen hier tatsächlich :)

Meist versuche ich dann die Straße unbeschadet zu überqueren, was nicht immer einfach ist. Und man muss mutig sein. Da der Verkehr hier, wie gesagt, so gut wie nie aufhört, muss man nach längerem warten irgendwann den Entschluss fassen einfach loszugehen und darauf zu vertrauen, dass die (dann auf einmal vom Gefühl her, doch schnell fahrenden) Motorräder und Autos schon langsamer fahren und mich noch gerade so durchlassen. Im malang´schen Verkehr kommt es nämlich auf Zentimeter-, wenn nicht sogar Millimeterarbeit an. Jeder versucht sich noch gerade da rein zu quetschen, wo er meint noch reinzupassen. Des Öfteren denke ich dann: "Oh Mist Mist !!! Das kann nicht passen!", wo ich dann aber so gut wie immer vom Gegenteil überrascht werde. Das Gleiche denke ich übrigens an Kreuzungen oder wenn wir einfach normal geradeaus fahren. Jeder ist darauf aus, den vor sich Fahrenden zu überholen. Egal wie knapp, hauptsache es passt.

Allgemein gibt es hier, glaube ich, wenige Verkehrsregeln, sodass man oft eigentlich gar nicht sagen kann, wer Vorfahrt hat. Eigentlich fährt immer derjenige, der aus der gerade vor ihm liegenden Verkehrslücke, die perfekte Gelegenheit zum Fahren ausmacht, was bei mir am Anfang oft zu kleineren Schweißausbrüchen (könnte auch an der Hitze im Angkot (ca.35 Grad) liegen) und Irritationen geführt hat. Das könnte aber auch an dem mir damals noch nicht berkannten Linksverkehr liegen. Außerdem kommt es für den Fahrer eigentlich immer nur darauf an, was vor ihm liegt und ob er in die nächste Lücke passt. Oft gibt es bei mehrspurigen Straßen gar keine Markierungen der einzelnen Spuren. Jeder fährt da, wo Platz ist. Ich wundere mich oft, wie viele Autos und Motorräder nebeneinander auf der Straße fahren können. Naja... Überraschungen und Erkenntnisse habe ich hier schon viele erlebt.

Inzwischen ist der nie stoppende Verkehrfluss total normal für mich geworden und ich weiß ungefähr was zu tun ist, sodass ich meine Hoffnung, unbeschadet aus dem Straßenverkehr zu kommen, immer weiter gestiegen ist bisher.

Für mich steht in den nächsten Tagen nicht die Entscheidung, -kann ich diese Straße überqueren oder nicht- an, sondern die Entscheidung, ob ich ab Dezember, nach einem Seminar in Salatiga, in Malang bleiben möchte oder nach Surabaya (zweit größte Stadt Indonesiens) ziehen möchte, um dort in einer Schule zu arbeiten. Naja das überlege ich mir noch...

Also viele Grüße aus dem schönen Malang, wo endlich die Regenzeit begonnen hat. ( Und ich kann euch sagen: Das ist kein Nieselregen wie ihr ihn kennt. Nene! Das ist mal ein richtiger Platzregen, der des öfteren einige Straßen unter Wasser setzt. Dann ist der Verkehr wirklich ein Fluss :D ) 

Eure Wiebke

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Kommentare

  1. 1. Annette  |  15 November 2014, 11:11

    Liebe Wiebke,
    Du schreibst so anschaulich, dass Deine Erlebnisse fast lebendig werden. Es klingt, als wrde sich Dir eine ganz neue Welt ffnen, in die Du nun fr lngere Zeit eintauchen kannst.
    Ich hoffe, noch viel von Dir zu hren und freue mich schon auf die nchsten Berichte (und Fotos).
    Ganz herzlichen Dank brigens fr die Karte :-)
    Sei herzliche gegrt und umarmt von Annette

  2. 2. Roberroke  |  14 Mai 2017, 00:53

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